Rikes blaue Welt voller Gedichte und Geschichten
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Entschuldige

Ach, ich rede abfällig über Menschen die sagen: „Ich kaufe, was mir gefällt“ und „Es ist mir zu umständlich zweimal in die Stadt zu gehen, um die heimische Wirtschaft zu unterstützen“ oder „Es passt nicht in meinen Lebensstil, wenn ich mich beschränke.“

 

Und was ist mit dir?

 

Nein, du redest natürlich nicht abfällig über Leute, die sich bemühen auf ihren Konsum zu achten.

Wenn du redest, habe ich immer das Gefühl du erwartest, dass ich mich dafür entschuldige, dass ich lieber fair und ökologisch kaufe und ich mich nicht auf meiner Bequemlichkeit ausruhe.

 

Soll ich mich jetzt echt dafür entschuldigen, dass ich nicht so bin wie du? Soll ich mich dafür entschuldigen, dass mir meine Mitmenschen nicht egal sind, auch wenn sie am anderen Ende der Welt leben und meine Kleidung nähen? Normalerweise bin ich da zurückhaltend und bringe das Gespräch erst gar nicht auf dieses Thema, aber wenn du darauf kommst und mit solch einer Arroganz und in deiner Bequemlichkeit gefangen mit fadenscheinigen Ausreden alle Bemühungen von anderen zunichtemachst, dann kann ich mich nicht mehr zurückhalten. Und ja, vielleicht rede ich dann abfällig über solche Menschen, aber dass du vorher mein Leben quasi komplett unter den Teppich gekehrt hast, siehst du nicht, denn es liegt ja jetzt unterm Teppich und was du nicht sehen kannst, das existiert für dich nicht. Dann bäume ich mich auf unterm Teppich, du stolperst darüber und sagst dann, ich hätte abfällig über dich geredet.

 

Am liebsten würde ich schreien, dich anschreien, damit meine Stimme dich auf deinem hohen Thron überhaupt erreicht, aber ich entschuldige mich lieber, schließlich habe ich dich ja zu Fall gebracht und ich will ja niemandem weh tun. Meine Mitmenschen sind mir eben nicht egal, auch du nicht.

 

Deswegen entschuldige, dass ich lieber wenig und dafür mit gutem Gewissen kaufe. Entschuldige, dass auch mein geringes Gehalt, im Vergleich zu deinem, dazu ausreicht auf nachhaltige Produkte zu setzen. Entschuldige, dass auch meine Zeit ausreicht mir Gedanken zu machen, obwohl ich genauso eine Vollzeitstelle plus Fahrzeit Ehrenamt habe. Entschuldige, dass ich mich aufgerafft bekomme, trotz Depression und Erschöpfung. Entschuldige, dass ich dir damit deine Bequemlichkeit und Arroganz vor Augen führe. Entschuldige, dass du so das Gefühl hast, dass ich abfällig über dich rede. Entschuldige, dass ich dich zu Fall gebracht habe.

10.9.17 17:30
 
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