Rikes blaue Welt voller Gedichte und Geschichten
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Schnee

Es hat geschneit 

Betäubt Freude und Leid 

Es ist die Kälte, die mich durchdringt 

Mich zur Reglosigkeit bringt 

Dabei sollte ich mich bewegen 

Dann kann der Schnee sich nicht legen 

Dann kann er mich nicht begraben 

Ich will ein Lächeln im Gesicht haben 

10.12.17 10:26


Hundekot

„Haben Sie keine Tüte dabei?“, werde ich von einem Mann im Dunkeln angefahren. Ich laufe gerade mit meinem Hund nach einem langen Tag, den ich damit verbracht habe, meiner Schwester beim Umzug zu helfen und deswegen leider ohne Leuchthalsband und Sicherheitsweste, im Dunkeln nach Hause. Ich gehe ungerne im Dunkeln mit meinem Hund spazieren und mein Hund sieht das genauso. Deswegen fühle ich mich unwohl und will einfach nur noch schnell nach Hause, doch wie es eben ist, hockt mein Hund sich hin, die Pfoten noch eben auf dem Bürgersteig, der Po schwebt über den ungepflegten Stadtrabatten nahe der Bahngleise und wir müssen einen ungewollten Stopp einlegen und das Ehepaar, welches ich eigentlich unbedingt hinter mir lassen wollte, überholt uns. Nach längerem Drücken meines Hundes tropfen schließlich doch noch ein paar mehr flüssige als feste Reste ihres bereits entleerten Stuhls auf die Erde. Wir gehen weiter. Und da dieser Satz von dem Mann, der uns soeben überholt hat.

Es ist so, dass ich natürlich immer Plastiktüten dabei habe, ich bin ein pflichtbewusster Hundebesitzer und ich hasse selber Menschen, die den Hundekot einfach liegen lassen, denn auch als Hundebesitzer oder gerade Hundebesitzer treten nur zu gerne in liegengelassene Häufchen, doch den Sinn diese Kotreste, die beim nächsten Regen eh weggespült wären und hier in den Rabatten niemanden stören, mit einer Plastiktüte aufzusammeln, sehe ich einfach nicht.

„Ich teile da vollkommen Ihre Meinung, dass man Hundekot nicht einfach liegen lässt, aber Sie können gerne versuchen den Dünnpfiff meines Hundes von den Blättern dieses ungepflegten Gesträuchs zu kratzen, aber mir ist es lieber ein bisschen Plastikmüll zu sparen, wenn Natur in der Natur landet“, hätte ich es am liebsten drastisch formuliert. Habe ich aber natürlich nicht. Stattdessen bringe ich nur hervor: „Doch natürlich habe ich eine Tüte dabei, aber ich habe gedacht, dass das dort in dem Gebüsch niemanden stört.“ „Das sehe ich anders“, sagt der Mann schnippisch und beobachtet mich dabei, ob ich diese Reste nun wirklich aufsammle.

Natürlich tue ich es und fühle mich schlecht dabei. Schlecht, weil ich ertappt wurde, wie ich ausnahmsweise mal nicht ganz so genau war. Schlecht, weil ausgerechnet ich erwischt bei etwas werde, wo ich absolut gegen bin. Schlecht, weil ich plötzlich selber unsicher bin, wer von uns beiden jetzt im Recht ist.

Und jetzt würde ich dem Mann am liebsten hinterherschreien: „Passen Sie nächstes Mal auf, wenn Sie einfach so einen Menschen kritisieren, den sie nicht kennen.“ Denn er weiß nicht, dass ich im Regelfall die Hinterlassenschaften meines Hundes ordnungsgerecht entsorge. Er weiß nicht, dass ich müde bin und einem dann eventuell auch Fehler passieren. Vielleicht hat er Recht und zu einem anderen Zeitpunkt hätte ich auch anders entschieden und beschlossen, dass auch dort der Kotrest nicht liegen bleiben darf. Er weiß nicht, dass ich mich deswegen jetzt so schlecht fühle und mich deswegen auch den ganzen restlichen Abend schlecht fühlen werde, dass ich deswegen einen Heulkrampf bekommen werde und daraufhin einen Text darüber schreiben werde. Nein, er weiß es nicht und ich weiß nicht, ob er es dann netter formuliert hätte oder warum er überhaupt zu so einem drastischen Tonfall gegriffen hat. Aber vielleicht sollte er nächstes Mal trotzdem etwas vorsichtiger sein, denn er sollte sich kein Urteil von einem Menschen bilden, den er nicht kennt und ich sollte vielleicht lernen, Kritik nicht so persönlich zu nehmen, denn ich kenne diesen Menschen nicht.

26.11.17 07:33


Konzentration

Ich sitze hier und will nicht mehr verstehen

Weil sich in meinem Kopf nur dieselben Gedanken drehen

Dabei sind sie so weit entfernt

Von dem, was ich so gerne gelernt

Der Text vor mir, sind nur schwarze Zeichen

Die sich alle zu sehr gleichen

Sie sollen Wörter und Sätze sein

Aber mein Gehirn ist ein Stein

So schwer, dass mein Kopf immer weiter sinkt

Und aus meinem Studierzimmer nur noch Schnarchen dringt

20.11.17 06:41


Reise nach Helgoland

Ich wollte auf literarische Streifzüge gehen

An genau den gleichen Stellen stehen

Die schon Heines Füße berührten

Die Wege gehen, die schon von Kleist führten

An die Küste, an das Meer

Dort wo nicht irgendwer

Unsere Nationalhymne dichtete

Was Hoffmann von Fallersleben sichtete

Sollten auch meine Blicke streifen

Damit auch in mir poetische Worte reifen

Ich wollte in literarische Fußstapfen treten

Dafür hätte ich mir ein offenes Museum erbeten

Ich wollte in diesen urigen Nischen dichten

Dafür müsste man andere Temperaturen einrichten

Ich wollte zum Verse schmieden Zeit finden

Dafür müssten all die spannenden Dinge dort verschwinden

Den Ort, an dem Krüss geboren

Hatte ich als Reiseziel auserkoren

Um in Ruhe zu schreiben

Doch dafür müsste ich wohl länger bleiben

Ich habe mein Schicksal angenommen

Ich werde wohl noch mal wieder kommen

13.11.17 15:36


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